Resident Evil Requiem - Test/Review
Mit Resident Evil Requiem wagt Publisher Capcom den Spagat zwischen Survival-Horror und blutigem Actionspektakel.
Von Christoph Miklos am 05.03.2026 - 08:03 Uhr

Fakten

Plattformen

PlayStation 5 Pro

Xbox Series S

Xbox Series X

PlayStation 5

PC

Publisher

Capcom

Entwickler

Capcom

Release

27.02 2026

Genre

Action

Typ

Vollversion

Pegi

18

Webseite

Preis

59,99 Euro

Media (30)

Der bisher beste Teil der Serie


Mit Resident Evil Requiem wagt Publisher Capcom den Spagat zwischen Survival-Horror und blutigem Actionspektakel. Ob das Experiment gelungen ist, könnt ihr in unserer ausführlichen Review nachlesen!

Back to the roots


Der neunte Serienableger ist keine Fortsetzung des direkten Vorgängers Resident Evil Village, sondern verlegt den Schauplatz zurück in die Ursprungsregion des berüchtigten T-Virus und beginnt dreißig Jahre nach den Ereignissen aus Resi 3. Neben dem altbekannten Helden etabliert Capcom mit Grace Ashcroft auch eine neue weibliche Hauptfigur, die sich die Spielzeit mit Leon etwa gleichberechtigt teilt. Grace arbeitet als FBI-Analystin und soll den Tatort eines mysteriösen Mordfalls untersuchen, der ausgerechnet in dem Hotel stattfand, in dem Jahre zuvor ihre Mutter getötet wurde. Doch statt einer Routineermittlung erwartet sie dort der Anfang einer grauenhaften Reise in die Vergangenheit. Das Entwicklerteam hat die Handlung von Requiem großartig inszeniert und sorgt für einige Höhepunkte. Aber keine Sorge: Fans der Reihe bekommen nach wie vor „trashige“ und unlogische Elemente geboten - ansonsten wäre es auch kein „echtes“ Resident Evil. Als Resi-Neulinge muss man jedoch keine Angst haben, denn auch ohne Hintergrundwissen kann man der Geschichte gut folgen. Langjährige Fans dürfen sich zusätzlich auf ein paar nostalgisch aufgeladene Momente freuen. Ein kleines Highlight ist der neue Antagonist Dr. Viktor Gideon, der herrlich verstörend und vor allem mysteriös inszeniert wurde. Leon bleibt hingegen recht eindimensional - ein stereotypischer Actionheld und Sprücheklopfer. Grace füllt die Rolle der Heldin wider Willen gut aus, bekommt genügend Raum für ihre eigene Geschichte, wirkt für eine FBI-Agentin aber zuweilen etwas naiv.

Zwei Spielweisen


Spielerisch stehen Grace und Leon für zwei verschiedene Ansätze, die Capcom sofort klarstellt. Der Einstieg mit der schüchternen, beinahe verletzlich wirkenden Grace ist düster, geheimnisvoll, gruselig und versetzt Spieler sofort in die Rolle der Verfolgten, die plötzlich einem unbegreiflichen Horror ausgesetzt wird. Hier geht es darum, Rätsel zu lösen und dem Grauen aus der Dunkelheit zu entkommen. Für die bestmögliche Atmosphäre sollte man die junge FBI-Agentin aus der Ego-Perspektive steuern. Nach längeren Schleich- und Rätselpassagen mit Grace fühlt es sich fast befreiend an, mit Leon offensiver und mal nach Herzenslust auf Zombies zu ballern. Leon steuert man in erster Linie aus der Third-Person-Perspektive; allerdings kann man die Kamera bei beiden Protagonisten nach Belieben umstellen. Auch die Locations sind abwechslungsreich gestaltet: Der Einstieg von Requiem führt ins Wrenwood Hotel, das mit engen Fluren, verschlossenen Zimmern und verstörenden Details eine dichte Atmosphäre erzeugt. Später geht es in Rhodes Hill, einer großen Privatklinik mit zwei weitläufigen Flügeln. Dort muss man Gegenstände finden, Schlüssel suchen, neue Bereiche freischalten, Abkürzungen öffnen. Das sorgt für Spannung und ein vertrautes Seriengefühl, bringt aber auch viel Laufarbeit mit sich. Hinzu kommt ein sehr knapp bemessenes Inventar. Regelmäßig muss man zur Lagerkiste zurück, um Platz zu schaffen oder um Heil-Items zwischenzulagern. Das erhöht zwar den Druck, bremst den Spielfluss jedoch stellenweise unnötig. Um das viele Laufen etwas spannender zu machen, muss man stellenweise umherstreunenden Riesenmonstern ausweichen, die man nicht töten kann; allerdings ist es nicht besonders schwierig, den Bestien zu entkommen. Inszenatorisch leistet sich der neuste Capcom-Titel kaum Schwächen. Der Horror entsteht nicht allein durch Blut und Schockmomente, sondern auch durch Sounddesign, Lichtstimmung und das ständige Gefühl, beobachtet zu werden. Es gibt gelungene Überraschungen und bisweilen sogar makabren Humor.
Von den drei Schwierigkeitsgraden empfanden wir die mittlere Stufe als ausgewogen. Ressourcen – insbesondere Munition – sind knapp, aber fair verteilt. Den Spielstand kann man serientypisch an Schreibmaschinen in Saverooms sichern. Den Umfang der Kampagne schätzen wir auf zehn bis 16 Stunden; mit Extras kommen noch ein paar Stunden dazu. Die Steuerung ist in beiden Perspektiven punktgenau, die Handhabung der Waffen fühlt sich wuchtig und präzise an, und auch das Zerlegen der Infizierten sorgt für ein morbides Grinsen bei jedem Horror-Fan. Requiem wäre kein echtes Resident Evil, wenn es nicht vor bizarren Mutationen wimmeln würde. Besonders im ersten großen Abschnitt, dem Sanatorium, präsentiert Capcom einige der verstörendsten Kreaturen der Reihe. Sie sorgen nicht nur bei Protagonistin Grace für Entsetzen, sondern dürften auch Spieler erschrecken. Auffällig sind dabei die tragischen Hintergrundgeschichten der Infizierten, die sich über verstreute Notizen erschließen und teilweise sogar Mitgefühl wecken. Selbst die „einfachen“ Zombies zeigen noch Spuren ihrer früheren Persönlichkeit und gehen weiterhin ihren alten Tätigkeiten nach: Ein Koch klopft in der Küche Fleisch, eine Sängerin tritt in der Bar auf, und eine Reinigungskraft schrubbt obsessiv die Toiletten. Diese Verhaltensweisen lassen sich stellenweise sogar taktisch beim Schleichen ausnutzen. Im späteren Verlauf werden Zombies zwar wieder zur reinen Abschussware, verfügen aber immer noch über kreative Eigenschaften, die immer wieder neue Herangehensweisen erfordern. Bosskämpfe gibt es mit Leon auch. Diese sind zwar gut inszeniert aber leider viel zu einfach. Im Prinzip muss man nur gezielte Schüsse auf die Schwachstellen abgeben.

Was für eine geile Technik


Resident Evil Requiem basiert auf Capcoms hauseigener RE Engine, die geradezu vor modernen Features strotzt. Im extrem umfangreichen PC-Grafikmenü, das in die Reiter Display und Image aufgeteilt ist, tummeln sich nicht nur Regler für Upscaling (es werden DLSS, FSR und Frame Generation unterstützt), sondern auch ein Schalter für Raytracing bzw. Path Tracing. Ohne Ray Tracing fallen bestimmte Reflexionen komplett weg, was natürlich etwas an der Atmosphäre kratzt. Pluspunkte gibt es auch für die Tatsache, dass Änderungen im Hauptmenü ohne Neustart übernommen werden. Die deutsche Sprachausgabe finden wir sehr gelungen. Es gibt weder Multiplayer noch Mikrotransaktionen, die USK hat eine Freigabe ab 18 Jahren erteilt.

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