Auf dem Innovation Day 2026 hat Western Digital eine neue, kundenorientierte Speicher-Roadmap vorgestellt und unterstreicht damit die Ausrichtung des Unternehmens als Speicherinfrastrukturpartner für KI-Anwendungen. Die vorgestellten Speichertechnologien der nächsten Generation liefern skalierbare Kapazität, Leistungsoptimierung, Energieeffizienz sowie eine Plattform-API für kosteneffiziente Nutzung.
Mit der starken Zunahme von KI-generierten Daten steigt auch der Bedarf nach Speicherlösungen. WD richtet seinen Fokus daher auf Anforderungen von Kunden: hohe Kapazität mit verlässlicher Wirtschaftlichkeit, Performance, Energieeffizienz sowie kurze Qualifizierungszyklen ohne operative Unterbrechungen. Die auf dem Innovation Day gezeigten Technologien adressieren diese Anforderungen in großem Maßstab.
Die heutigen Ankündigungen markieren eine neue Ära für WD und bauen auf strategischen Maßnahmen auf, die das Unternehmen im vergangenen Jahr umgesetzt hat. Dazu zählen der Übergang zu langfristigen Kundenbeziehungen mit mehrjährigen Vereinbarungen sowie operative Verbesserungen durch konsequente Umsetzung, die den Bruttogewinn im Jahresvergleich mehr als verdoppelte. Ebenso haben Veränderungen in der Führung die Entscheidungsprozesse beschleunigt. Diese Entwicklungen trugen zur Aufnahme in den NASDAQ-100 und zu einer Platzierung unter den leistungsstärksten Unternehmen des S&P 500 im Jahr 2025 bei. Zusätzlich wurde ein neues Finanzmodell vorgestellt, das die Unternehmensplanung für die nächsten drei bis fünf Jahre abbildet. Dieses ist auf investor.wdc.com verfügbar.
Passend zu diesen Meilensteinen stellte das Unternehmen unter dem neuen Firmennamen WD einen neuen Markenauftritt vor. Dieser greift visuelle Elemente aus Rechenzentren auf und spiegelt die Transformation zu einem Anbieter zentraler Infrastruktur für die KI-getriebene Datenwirtschaft wider.
Kapazitätsentwicklung: Der Weg zu 100 TB und mehr
WD bekräftigte seinen zweigleisigen Technologieansatz mit ePMR und HAMR und gab bekannt, dass zwei Hyperscale-Kunden derzeit UltraSMR ePMR HDDs mit der weltweit höchsten Kapazität von 40 TB UltraSMR HDD qualifizieren. Die Serienproduktion in größeren Stückzahlen ist für die zweite Jahreshälfte 2026 geplant. Die WD HAMR-HDDs befinden sich aktuell ebenfalls in der Qualifizierungsphase bei zwei Hyperscale-Kunden, bevor ihre Produktion in 2027 gesteigert wird.
WD plant ePMR durch die Nutzung von HAMR-Innovationen auf bis zu 60 TB zu erweitern, ohne den Energieverbrauch zu erhöhen. HAMR wird bis 2029 auf 100 TB skalieren. Da beide Technologien auf einer gemeinsamen Architektur basieren, können Fertigungsprozesse effizienter gestaltet und Kunden der Umstieg auf neue Produkte erleichtert werden.
Für Hyperscaler und Unternehmen bedeutet dies eine flexible Nutzung beider Technologien nach eigenen Zeitplänen, mit planbarer Kapazitätsentwicklung und reibungsloser Skalierung, die zunehmend schneller wird. Ein erzwungener Technologiewechsel oder Anpassungen der bestehenden Infrastruktur sind nicht erforderlich. Die Kapazität kann kontinuierlich auf der vorhandenen Architektur ausgebaut werden.
HDD-Performance-Architektur: Geringerer Leistungsunterschied zu QLC-Flash
Um den Leistungsanforderungen von KI-Workloads gerecht zu werden, stellte WD zwei neue Technologien vor, die die Leistungsfähigkeit von HDDs deutlich erhöhen. Sie adressieren Anwendungsfälle, die bislang ausschließlich von Flash-Speicher ausgeführt wurden und schaffen eine zusätzliche Leistungsklasse, die Geschwindigkeit und Kapazität mit den Kostenstrukturen von HDDs verbindet. Ein entscheidender Vorteil, da Flash-Speicher weiterhin teurer (etwa 6- bis 10-fach im Vergleich zu HDDs) und in der Lebensdauer limitiert ist.
• High Bandwidth Drive: Diese Technologie ermöglicht gleichzeitiges Lesen und Schreiben mit mehreren Köpfen auf unterschiedlichen Spuren. Dies führt zu einer bis zu doppelt so hohen Datenbandbreite gegenüber herkömmlichen HDDs bei nur geringen Mehrkosten und keinem zusätzlichen Strombedarf. Die Technologie hat das Potenzial einer bis zu 8-fachen Bandbreitensteigerung und befindet sich bereits zur Validierung bei Kunden im Einsatz.
• Dual Pivot Technologie: Diese Erweiterung nutzt einen zweiten, unabhängig arbeitenden Aktuator mit eigener Drehachse und soll innerhalb einer 3,5-Zoll-HDD eine Verdopplung der sequenziellen I/O erreichen. Im Unterschied zu früheren Dual-Aktuator-Ansätzen wird dabei keine Kapazität geopfert und es erfordert keine umfangreichen Softwareanpassungen bei Kunden. Durch geringere Abstände zwischen den Magnetscheiben können mehr Platter pro HDD verbaut werden, was die Gesamtkapazität erhöht.
In Kombination ermöglichen die beiden Technologien eine bis zu vierfache Steigerung der sequenziellen I/O-Leistung. Damit lassen sich HDDs mit 100 TB realisieren, wobei die relative I/O-Leistung pro Terabyte der entspricht, die Kunden heute zur Verfügung steht. Dadurch reduziert sich der Bedarf, zusätzliche SSDs einzusetzen oder bestehende Systeme bei steigenden Kapazitäten neu zu gestalten.
Die High Bandwidth Drive Technologie ist bereits bei Kunden im Einsatz. HDDs mit Dual Pivot sind im Labor und sollen ab 2028 verfügbar sein.
Energieoptimierte HDDs: Die Brücke zwischen warmen und kalten KI-Daten
KI-Training und Inferenz erzeugen große Mengen an wertvollen „kalten“ Daten, die dennoch innerhalb kürzester Zeit zugänglich sein müssen. Damit sind sie zu aktiv für Bandlaufwerke, aber zu teuer für herkömmliche Kapazitätslaufwerke. WDs energieoptimierte HDDs bieten hierfür eine speziell entwickelte Lösung, die den Stromverbrauch und damit die Betriebskosten reduziert, während der Zugriff weiterhin unter einer Sekunde erfolgt – und das im selben 3,5-Zoll-Formfaktor.
Diese HDDs setzen auf höhere Kapazität und deutlich niedrigeren Stromverbrauch zulasten von minimal zufälligen Ein-/Ausgaben – eine für kalte Daten ideale Designentscheidung – und verringern die Lücke zwischen Warm- und Kalt-Speicher. Damit wird die wirtschaftlich nachhaltige Speicherung großer KI-Datenmengen ermöglicht. Voraussichtlich ab 2027 gehen die energieoptimierten HDDs in die Kundenqualifikation.
Plattform-Erweiterung: Weniger Komplexität, schnellerer Mehrwert für Kunden
WD kündigte zudem an, sein Plattformgeschäft auszuweiten, um Hyperscale-Speicherökonomien auch für Kunden mit mittleren Datenvolumen und weniger Ressourcen zur Verfügung zu stellen. Bestandteil der Erweiterung ist die Entwicklung einer intelligenten Software-Schicht über eine offene API, deren Einführung für 2027 geplant ist. Damit können Unternehmen mit Datenvolumina von über 200 Petabyte die gleiche Speichereffizienz und Wirtschaftlichkeit erreichen, die Hyperscaler heute nutzen.
Diese Software-Schicht wird die Einführung von Speicherinnovationen auf WDs UltraSMR-, ePMR-, HAMR-, HDD- und Flash-Plattformen beschleunigen, gleichzeitig die Zeit bis zur Produktion verkürzen und das Qualifizierungsrisiko über alle Speichertypen hinweg senken. Durch die Vereinfachung der Bereitstellung von Speicherinfrastruktur für KI-Workloads kann WD den Nutzen für Kunden schneller realisieren, ohne dass bestehende Architektur angepasst werden muss. Damit erhalten aufstrebende Cloud- und Unternehmenskunden von WD einen klaren Weg zu Hyperscale-Ökonomien.
Christoph Miklos ist nicht nur der „Papa“ von Game-/Hardwarezoom, sondern seit 1998 Technik- und Spiele-Journalist. In seiner Freizeit liest er DC-Comics (BATMAN!), spielt leidenschaftlich gerne World of Warcraft und schaut gerne Star Trek Serien.
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